Deutsch-italienische Zusammenarbeit: Warum ist das manchmal so schwierig?

(Gast-Beitrag von Dipl.-Ing. Univ. Günter Stolz – Copyright Günter Stolz)

Günter Stolz

Seit vielen Jahren arbeite ich als selbständiger Unternehmer mit italienischen Firmen zusammen. Wir beliefern deutsche Kunden mit Maschinen für die Serienfertigung von Präzisionsteilen. Diese Projekte sind technologisch sehr anspruchsvoll und verlaufen leider oft nicht reibungslos. Woran liegt das?

Nachfolgend möchte ich drei Gründe aufzeigen:

  1. Die italienischen Maschinenbauer sind meist kleine mittelständische Unternehmen. Dagegen sind deutsche Unternehmen, die in Italien Maschinen einkaufen, in der Regel weltweit agierende Konzerne oder zumindest große Mittelständler. Das heißt der deutsche Kunde – der ja ohnehin schon „König“ ist – ist dem italienischen Lieferanten in puncto Unternehmensgröße, Organisation und Marktmacht deutlich überlegen. Das ist keine Geschäftsbeziehung „auf Augenhöhe“.
  2. Italienische Firmen werden meist vom Firmengründer oder dessen Nachfahren geführt. Entscheidungen werden oft intuitiv und bei Bedarf auch sehr schnell getroffen, was gerade im Projektgeschäft von Vorteil ist. Die Entscheidungsprozesse in großen deutschen Unternehmen sind dagegen häufig kompliziert und langwierig. Diese Unterschiede in der Führungskultur und im Entscheidungsverhalten führen nicht selten zu Missverständnissen und Projektverzögerungen.
  3. Deutsche scheuen das Risiko, die Devise lautet: Bloß keine Fehler machen! Deshalb wird bei Vertragsabschluss auch jedes noch so kleine Detail fixiert. Italiener sehen die Dinge meist etwas entspannter, die Devise lautet: In qualche modo ce la facciamo … was soviel heißt wie: Das kriegen wir dann schon irgendwie hin … In der Praxis ergibt sich daraus eine gefährliche Mischung: Deutsche Gründlichkeit trifft auf italienisches Improvisationstalent und mit der Lösung ist am Ende keiner wirklich zufrieden.

In weiteren Artikeln werde ich Tipps geben, wie ein Projekt trotz der o.g. Risiken erfolgreich umgesetzt werden kann.

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Günter Stolz, Dipl.-Ing. Univ. / www.linkedin.com/in/guenter-stolz

#maschinenbau #projektmanagement #italien

+++ Dieser Artikel wurde am 15.04.2020 auf LinkedIn veröffentlicht. +++

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