À propos Städtepartnerschaften…

Vor kurzem bin ich auf Xing auf einen älteren Beitrag gestoßen mit der Überschrift „Städtepartnerschaft X/Y: was habe ich davon?“ der unbeantwortet blieb.

Ich habe mich sofort angesprochen gefühlt, da ich seit einiger Zeit eine solche Initiative mit viel Interesse sprachlich begleite.

Es fing letztes Jahr im Juni an, als sich der Deutsch-Italienische Freundschaftskreis Worms / Parma e.V. bei mir meldete und mich für die offizielle Feier anlässlich des 30. Jubiläums dieser Partnerschaft engagierte.

Interessanterweise war der Begründer und Motor dieser Partnerschaft ein „Kollege“ gewesen, und zwar der vor zwei Jahren verstorbene Dolmetscher Hans-Joachim Rühl, der sich jahrzehntenlang als Brückenbauer zwischen den zwei Städten bzw. Kulturen verstanden und anscheinend eine ausgezeichnete Arbeit in diesem Sinne geleistet hatte. Als Anerkennung seines Engagements hatte er mit seiner Frau 2011 sogar die italienische Staatsbürgerschaft erhalten.

Im Laufe der Jahrzehnte hat der Freundschaftsverein unzählige Studienreisen in die verschiedenen Regionen Italiens organisiert und viele seiner Mitglieder – stellte ich fest – kennen mein Land mittlerweile besser als ich selbst.

Zum Sinn einer solchen Initiative möchte ich den Wormser Oberbürgermeister Michael Kissel zitieren: „Städtepartnerschaften sind gerade in Erinnerung an die schrecklichen Kriege des 20. Jahrhunderts ein wichtiger Beitrag für die Förderung des europäischen Gedankens – für die Entwicklung einer europäischen Identität im Sinne einer Unionsbürgerschaft, die dabei die Vielfalt der Kulturen bewahrt“.

Und das sind keine leeren Floskeln. Die zwei Städte haben einiges Interessantes anzubieten und können bzw. konnten viel voneinander lernen.

Parma ist bedeutend nicht nur für seine hervorragende Küche, sondern auch für Musik bzw. Lyrik, für Kunst, Geschichte und nicht zuletzt Politik.

Die Stadt Parma wird zurzeit von der 5-Sterne-Bewegung regiert, einer umstrittenen Protestbewegung. Der Oberbürgermeister Federico Pizzarotti, den ich bei meinem Einsatz kennen lernen durfte, ist ein interessanter und kritischer Vertreter dieser Bewegung und steht selbst auf Kollisionskurs mit dem populistischen und spirituellen Chef derselben, dem bekannten Komiker Beppe Grillo.

Ich konnte selbst feststellen wie in den letzten drei Jahrzehnten im Zusammenhang mit dieser Städtepartnerschaft sehr intensive und lang dauernde Freundschaften entstanden unter anderem zwischen Schulen, Chören, Sportvereinen aber auch zum Beispiel zwischen Feuerwehrmannschaften, die durch gegenseitige Besuche die Möglichkeit hatten, sich über die Arbeitsweise der Kollegen im Ausland zu informieren.

Gleichzeitig konnte ich aber auch feststellen, dass das nicht immer problemlos vonstatten geht.

Eine typische Schwierigkeit ist der sehr unterschiedliche Ansatz bei der Planung von Reisen und Veranstaltungen: während die deutschen Partner alles Monate, wenn nicht Jahre vorher festlegen, pflegen die Italiener sich der Organisation einer Veranstaltung mit Pragmatismus und Improvisationskunst oft eher zeitnah anzunehmen. Und das führt manchmal – wie könnte es anders sein – zur Spannungen und Diskussionen und wir Dolmetscher stehen dann plötzlich „mitten zwischen den Fronten“.

Nach wie vor ist es eine Herausforderung, die Mentalität des Partners zu verstehen, Vorurteile abzubauen und interkulturelle Kompetenz zu entwickeln. Aber gerade das – meine ich – ist der wichtigste Aspekt einer Städtepartnerschaft vor allem in Zeiten in denen gefährliche nationalistische Randgruppe in vielen Regionen Europas wieder entstehen. Hier zwischen den Kulturen zu vermitteln ist einer der Gründe, weshalb ich meinen Beruf liebe.